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Wer ist der Mensch hinter der Maske?
Stephanie Steinbacher - Fachkrankenschwester für Intensivmedizin

Abstand halten ist nicht immer möglich – gerade in der Patientenversorgung. Mit einer medizinischen Maske wird das Risiko verringert, sich oder andere mit dem Corona-Virus anzustecken. Aber: War das jetzt ein Lächeln? Oder wurde fragend, erwartungsvoll oder neugierig geschaut? Am Ende vielleicht sogar spöttisch gegrinst? Das weiß man derzeit nicht so genau… Hinter der Maske verschwindet die Hälfte des Mienenspiels. Oft ist man ja froh, wenn man sein Gegenüber überhaupt gleich erkennt.

Im Gespräch mit Stephanie Steinbacher, Krankenschwester auf der Intensivstation der Klinik Husum, versuchen wir hinter die Maske zu schauen und mehr über den Menschen zu erfahren, dessen Gesicht während seiner beruflichen Tätigkeit immer halb verdeckt ist. Geboren wurde Stephanie Steinbacher 1992 in Flensburg, hat hier die Kita und die Schule besucht und mit dem Abitur abgeschlossen.

Frau Steinbacher, sie sind 29 Jahre alt und arbeiten heute als Fachkrankenschwester für Intensivmedizin auf der Intensivstation der Klinik Husum. Mit welchem Berufswunsch haben sie damals die Schule verlassen?

Seitdem ich denken kann: Krankenschwester! Nichts Anderes kam für mich in Frage, es gab nie eine andere Option. Vielleicht wurde dies durch die Erkrankung meiner Oma ausgelöst, die ich als Kind intensiv miterlebt habe. Ihr langer Klinikaufenthalt und die damit verbundenen Begegnungen im Klinikalltag mit den sie zu betreuenden Personen haben mich doch nachhaltig sehr geprägt.

Wie sind sie die Ausbildung angegangen?

Am liebsten hätte ich schon mit 16 Jahren die Ausbildung begonnen. Das ging aber nicht, weil ich dafür noch zu jung war. Also habe ich mein Abitur gemacht und dann mit 19 Jahren meine Ausbildung 2011 im Schleswiger Martin-Luther-Krankenhaus begonnen und 2014 erfolgreich abgeschlossen.

Was folgte nach dem Examen?

Das nächste Ziel war die zweijährige Fachweiterbildung zur Intensivkrankenschwester. Zusagen hatte ich aus München und Hamburg und da fiel als Küstenmensch die Wahl nicht schwer. Da eine gewisse Praxis-Zeit zwischen Abschluss der Ausbildung und Beginn der Weiterbildung liegen sollte, habe ich zunächst ein Jahr auf der Herz-Rhythmus-Station im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) gearbeitet.

Wie entwickelte sich die Ausbildung dann weiter?

Sehr positiv. Am 1. Januar 2016 begann ich meine Tätigkeit auf der Kardio-Intensivstation im UKE und konnte im Jahr 2017 dort auch mit meiner Fachweiterbildung Intensiv / Anästhesie beginnen. Im Rahmen der Ausbildung wurde ich auf allen 13 Intensivstationen der unterschiedlichsten Fachbereiche des UKE eingesetzt. Eine solche große Bandbreite ist natürlich auch nur in großen Universitätskliniken möglich. Diese Einsätze haben mich fachlich enorm weitergebracht. Nach erfolgreich abgeschlossener Weiterbildung 2019 habe ich mich entschieden, auf der Interdisziplinären Intensivstation mit dem Schwerpunkt Lungenerkrankungen weiter zu arbeiten. Wir behandelten dort Patientinnen und Patienten mit hochkomplexen und vielfältigen Krankheitsbildern mehrerer Fachrichtungen mit den neuesten wissenschaftlichen Methoden – und das mit modernster Medizintechnik. Im Anschluss an die Intensivweiterbildung habe ich noch die Ausbildung zur Praxisanleiterin absolviert.

Wie haben sie den Beginn der Corona-Pandemie in Hamburg miterlebt?

Erst einmal mit Angst. Die ersten schwer Erkrankten wurden natürlich alle auf unsere Intensivstation eingeliefert. Alles war neu. Alles dramatisch. Wie schützen wir uns? Wie den Patienten? Welche Verläufe kommen auf uns zu und was stellt diese Krankheitswelle mit uns an? Das hat schon etwas gebraucht, bis wir eine grundsätzliche Routine in Therapie und Diagnostik aufgebaut hatten.

Warum 2020 der Wechsel ins Klinikum Nordfriesland und in die Klinik Husum? 

Wie sie wissen, haben Norddeutsche immer ein echtes Heimatgefühl und ich wollte zurück in Richtung Flensburg. Auch mein Lebenspartner ist hier im Raum tätig und so kam der Wechsel Richtung Norden zustande. Husum insbesondere deswegen, weil ich durch das Berufsumfeld meiner Eltern nur Positives über die Klinik erfahren habe und weil hier eine neue Intensivstation gebaut wurde, die schon ihresgleichen sucht. Modernste Technik, neue Räumlichkeiten und Deckenlifter an allen Patientenplätzen, die uns optimal beim schweren Heben und Tragen unserer Patientinnen und Patienten unterstützen. Das hatte noch nicht einmal das UKE in Hamburg. Daher habe ich deutlich weniger Rückenschmerzen als früher und die Patienten können intensiver mobilisiert werden.

Wie sind sie vom Team aufgenommen worden?

Super, einfach super! Es wurde ein Hospitationstag vereinbart, an dem ich gleich merkte, dass es passt. Ich hatte einen so tollen Eindruck, dass ich wusste: Hier möchte ich gerne arbeiten. Die Aufnahme in das Team war sehr herzlich und selbst ist man ja immer ein bisschen unsicher, weil man nicht weiß, wie ein alteingesessenes Team nun auf „die Neue“ reagiert wird.

Husum und Hamburg – ist das vergleichbar?

Es ist hier ganz, ganz anders als in Hamburg. Die Kolleginnen und Kollegen hier sind sehr offen und fragen nach meinen Erfahrungen. Was habt ihr dort anders gemacht und wovon können wir hier profitieren? Es ist ein reger Austausch aller Berufsgruppen, der allen Beteiligten zugutekommt und die gemeinsame Zusammenarbeit fördert. Durch die neue Stationsleitung arbeiten wir als Team daran, durch einige Umstrukturierungen noch effektiver und effizienter in Diagnose und Therapie zu werden.

Stillstand ist für sie bestimmt ein Fremdwort. Wie sehen ihre weiteren beruflichen Pläne aus?

Das stimmt. Mein nächster Plan ist ein Studium in Medizin-Pädagogik. Wenn möglich in dualer Form, um auch weiterhin praktisch auf der Intensivstation tätig bleiben zu können. Gespräche mit der Abteilungsleitung und dem Klinikum Nordfriesland lassen mich zumindest auf eine Durchführung hoffen. Berufsziel ist die Unterrichtung in den Ausbildungsstätten des Klinikums.

Was schätzen Sie an ihrem Arbeitgeber, dem Klinikum Nordfriesland?

Das Persönliche. Ich finde es schön, wenn man morgens bei Begegnungen auf den Fluren immer gegrüßt wird, egal von wem! Des Weiteren die sehr ausgeprägte Kollegialität unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Seitens der Leitung wird wirklich versucht, auf die Dienstplanwünsche der Kolleginnen und Kollegen Rücksicht zu nehmen. Sei es in Hinsicht auf die Arbeitszeiten, den Arbeitsplatz oder den Wunsch auf Fortbildung. Zudem ist das Klinikum einer der größten Arbeitgeber hier im Kreis und bietet eine Vielzahl von Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Berufsfeldern.

Was wünschen Sie sich von Politik und Gesellschaft?

Mehr Wertschätzung von der Politik! Es bringt nichts, nur mehr zu bezahlen. Es muss eine Aufwertung des Berufsbildes in der Form stattfinden, dass wieder mehr Menschen den Beruf ergreifen und ihn auch wieder länger ausüben.

Wir bekommen die Anerkennung von den Angehörigen und der Gesellschaft, aber der politische Wille fehlt. Wir alle haben Freude an der Tätigkeit, man macht es gern und es sollte auch entsprechend gewürdigt werden. Warum werden den jungen Menschen nicht Aktionen angeboten, in denen sie den Pflegeberuf intensiv in all seinen Facetten kennen und schätzen lernen können?

Frau Steinbacher, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

 

Das Klinikum Nordfriesland bildet sowohl Krankenpflegehelfer*innen als auch Pflegefachkräfte aus. Weitere Informationen zu diesen beiden sehr interessanten und zukunftssicheren Ausbildungsgängen finden Sie hier oder rufen Sie einfach an:

  • Ausbildung zur Pflegefachkraft: Tel. 04841 660-1130
  • Ausbildung Krankenpflegehilfe: Tel. 04841 660-1666