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Klinikum Nordfriesland

Dem Sauerstoff auf der Spur

Die Gefäßchirurgie der Klinik Husum verfügt über ein Diagnostik-Verfahren mit dem Namen O2C – „Oxygen to see“. Bisher war es nur möglich, Durchblutungsverhältnisse in großen und mittelgroßen Gefäßen darzustellen ohne damit Aussagen über die entscheidenden Verhältnisse in den kleinsten Gefäßen machen zu können. Diese „Mikrodurchblutung“ ist aber letztendlich der entscheidende Faktor für die Erhaltung von Gewebe.

Mikrodurchblutung

Große Bedeutung hat die Mikrodurchblutung bei Durchblutungsstörungen in den Beinen und Füßen sowie - seltener - in den Armen und Händen. So können die Gefäßchirurgen bereits während einer Operation – zum Beispiel bei der Öffnung von Gefäßverschlüssen – sehen, ob die eingeleitete Maßnahme im Gewebe die erforderliche Mikrodurchblutung bewirkt. Dies dient dazu, Operationen und Behandlungen zu verkürzen. Ziel der modernen Technik ist es, Amputationen von zum Beispiel Zehen zu vermeiden.

Das Verfahren

Das O2C-Verfahren kombiniert eine Gewebespektrometrie mit einem Laserdopplerverfahren. Das Verfahren beruht auf den Grundlagen der Physik und geht auf Albert Einsteins Entdeckungen zum Verhalten von Lichtwellenveränderungen zurück. Ebenso wie bei akustischen Wellen wird auch die Wellenlänge von Licht verändert, wenn es auf bewegte Teile trifft. Solche Wellenlängenveränderungen sind unter dem Begriff des „Dopplereffektes“ bekannt.

Den roten Blutkörperchen auf der Spur

Mit diesem technisch anspruchsvollen Verfahren können die Gefäßchirurgen der Klinik Husum die Bewegung von roten Blutkörperchen in den kleinsten Adern messen und gleichzeitig bestimmen, ob der Sauerstoff im Gewebe verbraucht ist oder nicht. Die Sauerstoffreserve und das Vorhandensein roter Blutkörperchen entscheiden über Leben und Tod jeder einzelnen Körperzelle. Mit dem „Oxygen to see“- Verfahren kann man simultan die Flussgeschwindigkeit der roten Blutkörperchen, deren relative Menge und deren Sauerstoffgehalt in den kleinsten Adern bestimmen.

In unserer Lunge werden rote Blutkörperchen mit Sauerstoff angereichert und erreichen dort Sättigungswerte von normalerweise bis zu 98%. Weil die roten Blutkörperchen den Sauerstoff im Gewebe aber wieder abgegeben, sinkt der Wert kontinuierlich. Sobald er auf weniger als 10% abfällt, ist keine Reserve mehr vorhanden. Der Sauerstoff ist praktisch verbraucht, was eine äußerst kritische Situation anzeigt und dringend einer Behandlung bedarf, da sonst Gewebe absterben würde.

Perfusionsdruck

Die Blutkörperchen ermöglichen die Einschätzung eines kritischen „Perfusionsdrucks“ und damit die Vorhersage einer schmerzhaften Minderdurchblutung (einer sogenannten „Extremitäten-Ischämie“ auch „Schaufenster-Krankheit“ genannt) oder sie geben Aufschluss über den Sauerstoffumsatz einer Wunde.
Geringe Belastung

Da die Untersuchungen nicht invasiv – also nicht in den Körper eingreifend – durchgeführt werden, ist die Belastung der Patienten sehr gering. Mit Hochlagerung der Beine und dem Aufkleben einer kleinen Sonde auf die entsprechende Hautpartie sind die Voraussetzungen für eine optimale Messung schon geschaffen. Chefarzt Dr. Klaus Haug bezeichnet die „Oxygen to see - O2C“-Untersuchungsmethode als äußerst schonend für die Patienten und sehr aussagekräftig in Hinsicht auf die Chance, Amputationen vermeiden zu können.

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