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Klinikum Nordfriesland

Kompetente und erfahrene Hilfe in der Frauenklinik Husum

Allgemeine Informationen zum Beckenboden

Der Beckenboden ist ein System von Muskel- und Bindegewebsplatten, das die Bauchhöhle unter Durchlass von Harnröhre, Scheide und Enddarm nach unten hin abschließt. Die Muskeln des Beckenbodens sind dafür verantwortlich, dass ein Mensch Gegenstände hochheben und tragen kann, ohne Ausscheidungen zu verlieren.

Eine Beckenbodenschwäche resultiert aus einer unzureichenden Stabilität des Beckenbodens. Die Beckenbodenmuskulatur und ihre Bänder sind zu locker, in der Folge werden die inneren Organe des Bauchraumes nicht ausreichend in ihrer Position gehalten und sinken nach unten. Damit kann der Beckenboden seine Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen, es kann zum Beispiel zu einer Gebärmuttersenkung kommen.

Der Beckenboden kann für kurze Momente angespannt werden – so wird verhindert, dass beim Niesen oder Husten unwillkürlich Harn oder Stuhl verloren wird. Im Falle einer Beckenbodenschwäche kann jedoch genau das passieren.

 

Ursachen für eine Beckenbodenschwäche

    An einer Beckenbodenschwäche leiden vor allem Frauen, die eine erblich bedingte Bindegewebsschwäche haben. Es ist normal, dass der Beckenboden mit der Zeit etwas an Stabilität verliert, im Alter kann diese Schwäche jedoch stark zunehmen. Allerdings können auch jüngere Frauen betroffen sein – zum Beispiel, wenn eine Frau innerhalb kurzer Zeit mehrere Kinder zur Welt bringt. In der Folge kann es aufgrund einer Überdehnung der Muskeln und der hormonellen Einwirkungen auf das Bindegewebe zu einer Beckenbodenschwäche kommen. Aber auch schwere körperliche Arbeit und chronischer Husten können zu einer Beckenbodenschwäche führen. Eine weitere Rolle spielt Übergewicht.

Symptome einer Beckenbodenschwäche

  • Schmerzen im Unterleib, Fremdkörpergefühl
  • Belastungsinkontinenz (früher auch Stressinkontinenz genannt),
  • Dranginkontinenz,
  • Gebärmutter- bzw. Scheidensenkung (Descensus uteri, Descensus vaginae) bis hin zu einem Prolaps,
  • Blasensenkung (Zystozele), Enddarmsenkung (Rektozele), Senkung des sonstigen Darms (Enterozele),
  • Stuhlinkontinenz.

 

Sprechstunde Inkontinenz und Beckenbodenschwäche

Auf Überweisung durch die niedergelassenen Frauenärzte der Region kann Dr. Thorsten Oesterle, ltd. Oberarzt der Frauenklinik Husum, betroffene Frauen in seiner Sprechstunde kompetent und mit großer Erfahrung betreuen und behandeln. Diskretion ist dabei selbstverständlich. Ein Termin kann unter Tel. 04841 660-1278 vereinbart werden.

 

Diagnosestellung

Zur Diagnosestellung findet ein ausführliches Anamnesegespräch statt. Es schließt sich eine gynäkologische Untersuchung ebenso wie eine rektale Untersuchung an. Durchgeführt werden zudem Ultraschalluntersuchungen der Nieren und Beckenorgane sowie eine Untersuchung des Urins, um eine Infektion auszuschließen.

Um die Funktionsfähigkeit der betroffenen Organe besser einschätzen zu können, werden bei Bedarf eine Blasenfunktionsmessung („Urodynamik“) bzw. Funktionstests des Enddarms durchgeführt. Dabei wird der Druck in Blase und Harnröhre mithilfe eines Katheters bestimmt. Durch diese Untersuchungen kann die Ursache der Beckenbodenfunktionsstörung bestimmt werden.

Eine weitere wichtige Grundlage für eine Diagnose stellt das Blasentagebuch dar. Dabei werden für drei Tage Harnmenge, Dringlichkeit und ein eventueller Harnverlust aufgezeichnet.

So dies erforderlich wird, können auch zusätzliche Blasen- oder Darmspiegelungen krankhafte Veränderungen als Ursache für eine Beckenbodenerkrankung aufdecken.

Das Vorgehen und die Befunde werden ausführlich mit den betroffenen Patienten besprochen und abgestimmt.

 

Die vorhandenen diagnostischen Möglichkeiten sind:

  • Urinanalyse und Infektionsdiagnostik
  • Harnflussmessungen und Restharnbestimmung
  • Messung der funktionellen Abläufe innerhalb des Harntraktes
  • Blasendruckmessungen
  • Schließmuskelmessungen (Analmanometrie)
  • Umfassende Bildgebung,
  • Darstellung des Beckenbodens für die Patientin (Beckenbodencheck)
  • Defäkographie (radiologische Untersuchung der Darmentleerung) und Sonographie des Beckenbodens und der Beckenbodenorgane
  • Endosonographie des Enddarms und des Schließmuskels
  • Darmspiegelung
  • Beckenbodenelektromyographie (EMG)

 

Therapieformen einer Beckenbodenschwäche

Je nach vorliegendem Befund wird Dr. Thorsten Oesterle mit den Patientinnen den besten individuellen Therapieansatz auswählen und besprechen. Folgende Optionen gibt es.

 

Konservative Therapien

So kann ein Beckenbodentraining unter professioneller Anleitung durch spezialisierte Physiotherapeuten (Therapiezentrum Nord) verordnet werden.

Entsprechende Übungen im Fitness-Center oder auch eine Selbsttherapie sind gute Vorsorgemaßnahmen, jedoch bei bereits bestehender Erkrankung häufig leider nicht ausreichend wirksam.

Bei übergewichtigen Frauen wird zudem eine Gewichtsreduktion angestrebt.

Neben dem Beckenbodentraining gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die bei Vorliegen einer Senkung oder sogar bei einem Vorfall therapeutisch angewendet werden können. Es gibt zum Beispiel Ring- oder Würfelpessare oder auch spezielle Schaumstofftampons, die vom Arzt angepasst werden und in der Regel von der Patientin selbst gewechselt werden.

Hormontherapie

Tritt eine Beckenbodenschwäche während der Wechseljahre auf, sollte bei einem Hormonmangel der Scheidenhaut eine „topische Hormontherapie“ (direkte Anwendung in die Scheide) eingeleitet werden. Durch Hormonmangel kommt es zur Ausdünnung des Gewebes. Die Gabe von Hormonen wirkt dem entgegen und führt zu einer Stärkung des Bindegewebes um Scheide, Blase und Harnröhre herum.

Operative Verfahren

Grundsätzlich werden die Möglichkeiten der konservativen Therapie ausgeschöpft, bevor an eine Operation gedacht wird. Wenn die Auswirkungen jedoch schwerwiegend sind und die Lebensqualität beeinträchtigen, ist ein Eingriff sinnvoll. Dieser besteht in der Korrektur von Defekten des Beckenbodens, speziell im Bereich von Gebärmutter, Blase, Harnröhre und Enddarm.

Das gesamte operative Spektrum von der Behandlung mit Eigengewebe oder mit Füllmaterial/Netze ist möglich.

Die Operationswege sind möglich von der Scheide aus, über minimalinvasive Bandtechniken bis hin zur erforderlichen Komplettrekonstruktion des Beckenbodens.

Ein Operationsverfahren muss sich danach richten, welches Organ sich gesenkt hat bzw. vorgefallen ist, und nach dem Ausmaß der Senkung bzw. des Vorfalls. Dabei kommen mehrere Arten von Operationen in Betracht. Manche Operationen können nur von der Scheide aus durchgeführt werden, wie beispielsweise die vordere oder die hintere Scheidenplastik – im Volksmund „Scheidenraffung“ genannt – sowie die „Blasenraffung oder -anhebung“.

Andere Operationen können auch über einen Bauchschnitt erfolgen. Dazu gehören die Gebärmutterentfernung, die seitliche oder hintere Fixierung der Scheide oder des Scheidenstumpfes (etwa an einem Band oder Bändern des Beckenknochens) und die Behebung eines Darmvorfalls. Der Großteil dieser Operationen kann heute schon „minimal-invasiv“ also schonend mithilfe einer Bauchspiegelung durchgeführt werden.

Ebenso ist eine Gebärmutterentfernung nicht unbedingt erforderlich.

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