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Hinter der Maske – Jaqueline Kohrt
Stationsleitung Geriatrie Klinik Husum

Der Mensch steht im Mittelpunkt. Nicht einzelne Werte und Parameter.

Im Gespräch mit Jaqueline Kohrt, examinierte Gesundheits- und Krankenpflegekraft und Stationsleitung der Geriatrie in der Klinik Husum, versuchen wir hinter die Maske zu schauen und mehr über den Menschen zu erfahren, dessen Gesicht während seiner beruflichen Tätigkeit immer halb verdeckt ist.

Frau Kohrt, wieso haben Sie sich für Ihren Beruf entschieden?

Ich wollte schon immer in den medizinischen Bereich. Bereits während meiner Schulzeit in Husum habe ich mich in der Oberstufe auf die entsprechenden Fächer, Biologie und Latein, konzentriert. Und ich wollte immer in Nordfriesland bleiben. Ich bin hier im Krankenhaus geboren, in Brook aufgewachsen und lebe heute mit meiner Familie in Löwenstedt. Nur für meine Ausbildung bin ich ein etwas weiter weg gewesen: Die habe ich in Damp und Schleswig absolviert, das hieß damals »Gesundheits- und Krankenpflege«.

Wie sind Sie dann in die Klinik Husum gekommen?

Ich hatte großes Glück, dass ich nach meiner Ausbildung direkt hier im Krankenhaus anfangen konnte, obwohl im Herbst 2010 kaum eingestellt wurde. Zuerst habe ich auf der Inneren Medizin gearbeitet. Das war eine herausfordernde Zeit, in der wir auch noch die EHEC-Epidemie durchgemacht und bewältigt haben. Als 2011 die geriatrische Station vergrößert wurde, suchte die Klinik für die Geriatrie weitere Pflegekräfte, das hat mich gereizt. Nach dem Wechsel auf die neue Stelle habe ich mich zur Praxisanleiterin weiterbilden lassen, damit ich den Auszubildenden das »Geri-Leben« näherbringen kann. Seit 2019 leite ich die Station.

Jaqueline Kohrt mit Maske

Warum arbeiten Sie gerne in einer geriatrischen Abteilung?

Der Bezug zu den Patienten ist viel enger als zum Beispiel auf einer Akutstation. Dort liegen die Patienten wenige Tage, während sie bei uns mindestens zwei Wochen sind. In dieser vergleichsweisen langen Zeit zeigt sich dann der Beruf von einer anderen, schönen Seite: Weniger die Krankheit und das Kranksein stehen im Vordergrund, als vielmehr das Gesundwerden. Die Patienten wieder so fit zu bekommen, dass sie alleine zurechtkommen, das ist unser Ziel.

Was macht die Husumer Geriatrie aus?

Die Husumer Geriatrie teilt sich in zwei Bereiche: die Geriatrie und das Zentrum für Alterstraumatologie (ZAT). Zudem sind wir in einem intensiven Austausch mit der Geriatrie in Niebüll. Die Menschen, die zu uns kommen, leiden häufig nicht nur an einer Erkrankung, sondern an mehreren gleichzeitig. Sie benötigen eine spezialisierte Pflege - quasi eine geriatrische Besonderheit. Deshalb arbeiten in Husum nicht nur die mehr als 20 Pflegekräfte auf der Station. Dazu kommen noch Ärzte und Neuropsychologen, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und die Kollegen des Sozialdienstes. Wir sind fast 50 Leute, die hier in einem großen interdisziplinären Team arbeiten. So etwas hat man auf anderen Stationen nicht. Wir haben ein tolles Miteinander, immer mit dem Ziel, für den Patienten etwas zu bewirken.

Wie arbeitet dieses große Team mit den Patienten?

Wir folgen dem Konzept der Bereichspflege, bei der jede Pflegekraft für eine Patientengruppe verantwortlich ist. Während meiner Schicht übernehme ich alle anfallenden Aufgaben, wie zum Beispiel Blutdruckmessen, Verbandswechsel, Mobilisieren, Angehörigen- und Patientengespräche. So erhalte ich ein Gesamtbild des Patienten. Und weil ich alles über meine Patienten weiß, können auch die Dienstwechsel besser strukturiert werden. Deshalb kümmern sich auch immer dieselben Therapeuten um die Patienten. Alle im Team arbeiten ressourcenorientiert mit den Patienten: Wenn diese etwas beherrschen, wird ihre Fähigkeit genutzt, um sie wieder eigenständig zu machen. Der gesamte Mensch steht im Mittelpunkt, nicht einzelne Werte und Parameter.

Jaqueline Kohrt, Stationsleitung der Geriatrie in der Klinik Husum.

Jaqueline Kohrt würde sich über Verstärkung freuen. Und mit ihr auch andere Pflegefachkräfte im Klinikum. Aktuelle Stellenangebote und Informationen zur Ausbildung von Pflegefachkräften und Krankenpflegehelfer/innen sind unter www.klinikum-nf.de/karriere zu finden.

Wie schwer ist es, an qualifiziertes Personal zu gelangen? Gibt es Nachwuchssorgen?

Anders als ich angefangen habe, gibt es überall Nachwuchssorgen. Das ist ein bundesweites Phänomen, das inzwischen auch Husum erreicht hat. Wir haben aber immer noch viele Auszubildende, die einen besonderen Bezug zu dieser Station aufbauen und nach dem Examen gerne bleiben wollen. Hier können die Examinierten Sicherheit gewinnen und Erfahrungen sammeln. Auch für neue Kollegen, die aus anderen Häusern zu uns wechseln, ist das große Team von Vorteil. Man arbeitet nie alleine, es ist immer ein Ansprechpartner vor Ort.

Welche Erfahrungen machen Sie als Praxisanleiterin?

Die Geriatrie ist mit ihren strukturierten Abläufen zwar eine gute Station, um »anzukommen«. Mancher junge Mensch wünscht sich aber, noch etwas anderes zu sehen. Die wollen sich weiterentwickeln, vielleicht die Akutmedizin kennenlernen. Viele kommen aber auch nach einiger Zeit wieder, weil sie merken, dass ihnen gerade das große Team, das Miteinander gefehlt hat.

Wie haben Sie in der Geriatrie die Corona-Zeit erlebt?

Dreimal waren wir Isolationsbereich. Das war sehr belastend für das Team. Da hatten wir dann gar keine oder nur sehr wenige geriatrische Patienten. Leider haben damals einige Kollegen das Team verlassen, weil das nicht nur beruflich, sondern für viele auch privat sehr anstrengend war. Wir haben als Team phasenweise nicht mehr zusammenarbeiten können, das hat sehr gefehlt. Es tut gut, dass es diesen Sommer endlich wieder anders ist. Wir haben neue Mitarbeiter gewinnen können. Dass wir wieder zueinander finden, ist nun auch meine Aufgabe.

In welchen Arbeitsbereichen sehen Sie Bedarf für Verbesserungen? Was sollte sich ändern?

Die Bereichspflege muss weiter ausgearbeitet werden. – Davon abgesehen muss sich politisch ganz viel ändern. Der Pflegeberuf braucht dringend höhere Anerkennung. Es muss mehr für die Mitarbeiterzufriedenheit getan werden. Gesellschaftlich hat sich inzwischen vieles verändert: Der Schichtdienst ist kaum noch mit dem Leben von Familien zu vereinbaren. Und wir verlieren dann die jungen Mütter in andere Bereiche, die sich nach der Geburt ihrer Kinder bzw. während der Elternzeit beruflich umorientieren, vielleicht sogar etwas anderes lernen. Die sind dann weg!

Das Klinikum versucht schon viel: mit dem Aushilfspool, der flexiblere Arbeitszeiten ermöglicht. Wir versuchen auch, unsere Dienstpläne familienfreundlicher zu gestalten. Aber für die Rahmenbedingungen muss die Politik sorgen: mit mehr Personal, anderen Besetzungsstärken auf Station. Dabei geht es nicht unbedingt um mehr Geld. Wir haben ja den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst.

Blutzuckermessungen bei den Patientinnen und Patienten