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Der Mensch hinter der Maske
Frank Nissen - Pflegerische Leitung der ZNA Klinik Niebüll

Abstand halten ist nicht immer möglich – gerade in der Patientenversorgung. Mit einer medizinischen Maske wird das Risiko verringert, sich oder andere mit dem Corona-Virus anzustecken. Aber: War das jetzt ein Lächeln? Oder wurde fragend, erwartungsvoll oder neugierig geschaut? Am Ende vielleicht sogar spöttisch gegrinst? Das weiß man derzeit nicht so genau… Hinter der Maske verschwindet die Hälfte des Mienenspiels. Oft ist man ja froh, wenn man sein Gegenüber überhaupt gleich erkennt.

Im Gespräch mit Frank Nissen versuchen wir hinter die Maske zu schauen und mehr über den Menschen zu erfahren, dessen Gesicht während seiner beruflichen Tätigkeit immer halb verdeckt ist. Frank Nissen ist der pflegerische Leiter der Zentralen Notfallaufnahme (ZNA) der Klinik Niebüll. Er ist bekennender „Südtonderaner“ und seinem Metier, der Krankenpflege, leidenschaftlich verbunden. Geboren 1969 in Niebüll, besuchte Frank Nissen dort auch die Grund- und Realschule und schloss diese im Jahr 1988 erfolgreich ab.

Wer die Klinik Niebüll zur Aufnahme oder Behandlung betritt, kommt an „seiner“ Abteilung nicht vorbei: Die Zentrale Notfallaufnahme steht allen akut erkrankten oder verunfallten Patienteninnen und Patienten rund um die Uhr zur Verfügung. Das Ziel der Mitarbeitenden in der ZNA ist es, die Wartezeiten so kurz wie nur möglich zu halten. Dabei muss aber beachtet werden, dass die Behandlung nach Dringlichkeit und nicht nach der Länge der Wartezeit erfolgt.

Herr Nissen, warum haben Sie sich für das Gesundheitswesen entschieden?

Ich habe jetzt 40 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit im Deutschen Roten Kreuz und im Technischen Hilfswerk hinter mir. Seit meinem 10. Lebensjahr bin ich - damals beginnend im Jugend-DRK - „helfend“ tätig. Da war klar, dass auch mein Berufswunsch in diese Richtung gehen würde. Ausgelöst wurde diese Neigung aber auch durch meine Oma. Sie war über Jahre in der chirurgischen Ambulanz der Klinik Niebüll tätig und ich fand - wenn ich Oma abgeholt habe - die Atmosphäre dieses Bereiches absolut faszinierend. In meiner Klasse fiel ich damals auch dadurch auf, dass alle anderen in der Freiwilligen Feuerwehr waren und ich als einziger im DRK. 

Was hat Ihnen damals am besten gefallen?

Besonders hat mich damals natürlich fasziniert, wie „leicht und locker“ es den Ärzten und „Schwestern“ gefallen ist, den Patienten zu helfen. Sie wussten für jede Situation eine Lösung, schafften es, den Patienten – manchmal ja auch mir selbst – die Angst zu nehmen und ehe man sich versah, war ein Verband oder ein Gips angelegt und die Unsicherheit und Ängste der Patienten schwanden. Das wolle ich auch können.

Damals faszinierte mich aber auch das „Gesamtgebilde Krankenhaus Niebüll“. Die Klinik Niebüll war schon damals leistungsstark und in der Größe imponierend. Dies ist sie auch heute noch. Das Fehlen einer geburtshilflichen Abteilung ist für viele zwar immer noch schwer zu verstehen, aber dies ist ja leider aus Gründen, die nicht das Klinikum zu vertreten hatte, passiert.

Ihre Berufsbezeichnung hat sich in den letzten Jahren dreimal geändert. Von Krankenschwester / Krankenpfleger zur Fachkraft für Gesundheits- und Krankenpflege und neuerdings zu Pflegefachfrau / Pflegefachmann. Welche Bezeichnung gefällt Ihnen am besten?

Ganz klar Krankenpfleger. Als der bin ich ausgebildet. Als der bin ich tätig. Auch wenn meine derzeitige Tätigkeit wenig mit Pflege zu tun hat. Gepflegt wird in der Notaufnahme im eigentlichen Sinne nicht, eher versorgt und stabilisiert.

Und warum ausgerechnet aktuell diese Tätigkeit in der ZNA?

Ich habe vor meiner Tätigkeit in der ZNA lange auf der Intensivstation gearbeitet. Dann wurde die Leitungsstelle hier in der ZNA ausgeschrieben und die Reize lagen für mich darin, einerseits eine Schnittstelle zwischen meiner damaligen ehrenamtlichen Tätigkeit beim DRK und meiner beruflichen Tätigkeit hier in der Klinik gefunden zu haben und andererseits, in einer Leitungsposition mit viel Verantwortung tätig sein zu können.

Warum ist diese Tätigkeit für Sie wichtig?   

Ich fühle mich im Rahmen meiner jetzigen Tätigkeit als Mensch angekommen und ich möchte auch nichts anderes tun, weil sie mich voll und ganz erfüllt. Diese Tätigkeit ist einfach ein schöner Teil meines Lebens. Der kurze Kontakt zu ambulanten Patienten oder aber auch der immer wiederkehrende ist interessant. Teilweise begleite ich Patienten über 20 Jahre. Des Weiteren reizen mich auch die administrativen Arbeiten.

Womit verbringen Sie die meiste Zeit bei der Arbeit?

Im Rahmen der Corona-Pandemie sind es im Moment neben der Patientenversorgung viele administrative Tätigkeiten, die geleistet werden müssen: Verfahrensanweisungen überarbeiten, SOP schreiben (Standard Operating Procedures), Hygienepläne überwachen und die Lagerführung und Ausgabe des Pandemie-Materials für die gesamte Klinik regeln. Ich bin weiterhin in der glücklichen Lage, mit einem ganz tollen Team zu arbeiten, in dem wir uns alle ergänzen und bei „Not am Mann“ auch immer füreinander einstehen.

… und womit im Privatleben?

Mit Familie, Freunden und dem Handball der SG Flensburg-Handewitt.

Was schätzen Sie am Klinikum Nordfriesland?

Hier in der Klinik Niebüll ist es in erster Linie die familiäre Atmosphäre, die mich begeistert. Dazu kommt, dass der Standort Niebüll durch die Eigentümerschaft des Kreises Nordfriesland erhalten werden soll. Ich glaube, dass es für die Region wichtig und unverzichtbar ist, eine Klinik dieser Größe für die Versorgung der Patienten/Innen vorzuhalten. Gesundheitswesen sollte nicht in erster Linie Dividenden für Aktionäre erwirtschaften, sondern als staatliche Grundaufgabe verstanden werden.

Was würden Sie beruflich ändern, wenn sie könnten?

Ich würde es begrüßen, wenn unser Gesundheitswesen wieder menschlicher würde. Zurzeit zählt der Erlös mehr als der Mensch. Und solange private Träger noch Gewinne ausschütten können und staatlich gefördert werden, läuft hier etwas falsch. Sicherlich sollte versucht werden, kostendeckend zu arbeiten, aber nicht gewinnorientiert. Gesundheit ist ein hohes Gut und sollte nicht gewinnorientiert sein. Zudem würde ich mir natürlich eine hohe Wertigkeit und Akzeptanz der Gesundheitsberufe, einen fairen Umgang miteinander und eine für alle befriedigende Leistungserbringung wünschen. Zudem würde ich mir wünschen, wenn die Klinik Niebüll weiter ausgebaut wird - sprich Fachabteilungen neu angesiedelt werden - und weiter modernisiert wird.

Für mich persönlich führe ich berufliche Änderungen durch Weiterbildungen durch. Ich habe die Weiterbildungen zur Leitung einer Pflegeeinheit und zum Fachpfleger für Notfallpflege ebenso wie die zum Praxisanleiter erfolgreich absolviert.

Was wünschen Sie sich von Politik und Gesellschaft?

Die Anerkennung und die Wertschätzung der Bürgerinnen und Bürger haben wir. Auch im Einzelkontakt merken wir, wie sehr unsere Tätigkeit von unseren Mitbürgern/Innen geschätzt wird. Was uns aber fehlt, ist eine ernstgemeinte Akzeptanz durch die Bundespolitiker. Einmal klatschen während einer Pandemie ist dann doch zu wenig.

Politisch wünsche ich mir nach dem Desaster mit der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein einen Ruck in den eigenen Reihen und den Willen von Gewerkschaft und Pflegeberufsverbänden zu einer gemeinsamen optimierten Zusammenarbeit. Wir müssen in der Pflege weg vom „Mutter-Theresa-Denken“ und hin zu einer gemeinsamen Berufspolitik, unterstützt durch den Zusammenschluss von ganz, ganz vielen Pflegenden.

Herr Nissen, wir danken für das Gespräch.

Die Klinik Niebüll bietet ein breites Behandlungsspektrum von der Inneren Medizin über die Chirurgie und Unfallchirurgie bis hin zu einer Abteilung für Altersmedizin (Geriatrie). Sie steht für die Aufnahme von Notfällen an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr bereit. An der Klinik Niebüll ist ein Luftrettungszentrum der DRF beheimatet. 

Klinik Niebüll
Gather Landstraße 75
25899 Niebüll

Tel. 04661 15-0