Als erste Einrichtung in Norddeutschland
Klinikum Nordfriesland auf dem Weg zum „pflegeattraktiven“ Arbeitgeber
Aufgrund der sich ständig verändernden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen sucht das Klinikum Nordfriesland immer wieder nach neuen Ansätzen, um für Patient*innen und Mitarbeitende attraktiv zu bleiben.
Mit dem Zertifizierungsverfahren „pflegeattraktiver Arbeitgeber“ hat das Klinikum in 2024 einen solchen Prozess als erste Einrichtung in Norddeutschland angestoßen. „Fachkräftemangel, Arbeitsverdichtung und die demographische Veränderung sowohl bei den Patient* innen als auch den Mitarbeitenden machen neue Wege notwendig, um weiterhin eine bestmögliche Versorgung der Patient* innen bei gleichzeitig attraktiven Arbeitsbedingungen zu ermöglichen“, erklärt Silke Bichel, Pflegedirektorin des Klinikums Nordfriesland und damit Leiterin der größten Beschäftigtengruppe im Klinikum.
Pflegeattraktiv: Auszeichnung für besonderen Einsatz in der Pflege
Mitte des Jahres 2025 hatte die Zertifizierungsstelle für das Zertifizierungsverfahren „Pflegeattraktiv“ erstmals den Preis „Durchbruch des Jahres“ vergeben. Dieser ging nach Nordfriesland! Elisabeth Otto, Pflegefachkraft im Klinikum Nordfriesland, durfte ihn in Teltow bei Berlin entgegennehmen.
Mit sehr großem Engagement hat Elisabeth Otto (auf dem Bild 2.v.l), die als Stabsstelle für Pflegeentwicklung bei der Pflegedirektorin des Klinikums, Silke Bichel, angesiedelt ist, in den Kliniken Husum und Niebüll insgesamt zwölf Projektgruppen über viele Monate hinweg begleitet. „Mit ihrer Ausdauer, ihrer Struktur und ihrer Fähigkeit, Menschen zu motivieren, schaffte sie es in unserem Klinikum, eine professionelle Projektarbeit aufzubauen. Ihr gelingt es, Menschen zu verbinden und Freude auf Veränderungen zu wecken“, lobt Silke Bichel ihre Mitarbeiterin. „Das Klinikum ist stolz und froh, sie im Team zu haben. Ihr Engagement zeigt, wie wertvoll gelebte Pflegequalität ist – und motiviert uns alle“, ergänzt Stephan W. Unger, Geschäftsführer des Klinikums.
„Pflegeattraktiv“ ist ein Verfahren, das Krankenhäuser und Langzeitpflegeeinrichtungen bei Prozessveränderungen begleitet und bei einem „Kulturwandel“ unterstützt. Dahinter steht ein Qualitätssiegel, das von der Zertifizierungsstelle „Pflegezert“ vergeben wird. Es zeichnet Einrichtungen aus, die sich in besonderem Maß für gute Arbeitsbedingungen, fachliche Weiterentwicklung und eine hohe Zufriedenheit im Pflegeberuf einsetzen. Die Zielsetzung ist, unter anderem die Pflege als Beruf noch attraktiver zu machen und zukunftsfähig zu gestalten.
Das Klinikum Nordfriesland ist die erste Einrichtung in Norddeutschland, die sich auf diesen erfolgversprechenden Weg gemacht hat. Ein erster Meilenstein „Pflegeattraktiv“ wurde für die Klinik durch die Erstzertifizierung bereits im September 2024 erreicht. Ziel des Klinikums ist es, die Kompetenzen seiner Pflegefachkräfte zu stärken und ein Arbeitsumfeld zu fördern, in dem sie sich von ihren Führungskräften wertgeschätzt und unterstützt fühlen.
Nach einem inzwischen drei Jahre währenden Prozess sind 2025 die ersten Projekte angestoßen, auf Pilotstationen etabliert und mit Kennzahlen belegt worden.
Der Projektfortschritt wurde im September 2024 durch „Pflegezert“ vor Ort anhand bundesweit einheitlicher Kriterien überprüft und für sehr erfolgreich befunden und mit einem Zertifikat versehen.
Ein Jahr später, im September 2025, stand ein erstes Überwachungsaudit an, bei dem die Projektfortschritte überprüft wurden. Damit konnte dank des großen Engagements aller beteiligten Pflegefachkräfte – aber auch von Kollegen aus benachbarten Tätigkeitsbereichen – die nächste Stufe im Zertifizierungsverfahren erfolgreich genommen werden.
Die Pflegeattraktiv Manifeste der Kliniken in Husum und Niebüll
Unsere Teilnehmenden der Pflegeattraktiv-Projektgruppen haben für die Kliniken in Husum und Niebüll Pflegeattraktiv-Manifeste entwickelt, die ihre Ziele, Absichten und Leitsätze klar und verständlich auf den Punkt bringen.
Die Leitsätze motivieren uns auf unserem Weg zum pflegeattraktiven Klinikum Nordfriesland und setzen ein starkes Statement nach außen.
Was ist „pflegeattraktiv“?
Beim Zertifizierungsverfahren „pflegeattraktiv“ wird durch eine gezielte Steuerung und kontinuierliche Weiterentwicklung eine Auszeichnung für eine stetige Qualitätsentwicklung angestrebt. Der Standard, nach dem „pflegeattraktiv“ zertifiziert wird, wurde vom Bundesverband Pflegemanagement mitentwickelt.
Ziel ist ein nachhaltiger Kulturwandel, der mithilfe eines verbindlichen Prozesses und entsprechender Prozessbegleitung gestaltet wird, um im Unternehmen eine exzellente Arbeitnehmerorientierung zu erreichen.
Informationen zum pflegeattraktiv-Zertifizierungsverfahren.
Erster Meilenstein erreicht: Zertifizierung im September 2024
Mit der „pflegeattraktiv“-Zertifizierung des Bundesverbands Pflegemanagement e.V. habe man hier den richtigen Weg gefunden, der von Geschäftsleitung, Führungskräften und Mitarbeitenden überzeugt mitgetragen werde.
„Das Besondere an dieser Entwicklung ist, dass nicht ‚von oben‘ bestimmt wird, was verändert werden soll. Bei unserem Vorgehen überlegen die Mitarbeitenden an der Basis selbständig, was verändert werden kann, damit Arbeitsabläufe noch reibungsloser funktionieren“, beschreibt Silke Bichel diesen „Bottom-up-Ansatz“.
Ziel sei es, dass die Patient* innen vom gesamten interprofessionellen Team aus Ärzt* innen, Pflegefachleuten, Therapeut* innen und weiteren Berufsgruppen in optimierter Weise versorgt werden. Zu Beginn wurde eine detaillierte anonyme Umfrage zu Zufriedenheit und Verbesserungsansätzen der Pflege- und Funktionsmitarbeitenden durchgeführt. Diese hat Silke Bichel und den Programmverantwortlichen viele Erkenntnisse gebracht, die in Arbeitsgruppen strukturiert und verdichtet wurden, sodass am Ende dieser Phase konkrete Zielsetzungen für einzelne Projekte formuliert werden konnten.
„Die praxisorientierten Optimierungsansätze betreffen alle Abläufe rund um die Patient* innen: Arbeitsbedingungen auf der Station, Organisation oder auch die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen“, macht Elisabeth Otto die Zielrichtung deutlich. Sie ist im Klinikum für die Pflegeentwicklung und die Digitalisierung in der Pflege zuständig. Uwe Küchenmeister, Pflegedienstleiter in der Klinik Niebüll, ergänzt: „Jeder Mitarbeitende darf – soll – sich einbringen und mit dem Gefühl herangehen, dass er / sie wirklich mitgestalten und Veränderungen bewirken kann.“
Den ersten Meilenstein – die Aufstellung von zertifizierungsfähigen Projektzielen – haben die Teams in den Kliniken Husum und Niebüll im September dieses Jahres erreicht und nach einem erfolgreichen externen Audit dafür jeweils ihr erstes Zertifikat erhalten.
Ein Beispiel für die Umsetzung von Projektzielen:
Auf sogenannten Pilotstationen – wie der Gynäkologie in der Klinik Husum – wird bereits eine Optimierung der interprofessionellen Zusammenarbeit umgesetzt. Um eine optimierte Versorgung der Patient*innen durch alle Berufsgruppen zu erreichen, werden beispielsweise feste Visitenzeiten noch besser an die Stationsorganisation angepasst.
Und in gemeinsamen Sitzungen der interprofessionellen Teams aus den Berufsgruppen Arzt, Pflege und Therapie können medizinische, pflegerische und therapeutische Maßnahmen optimiert abgestimmt und der Informationsfluss transparenter gestaltet werden.
Umsetzung der gesteckten Ziele
„Nun kommt es darauf an, die selbstgesteckten Ziele in die Praxis umzusetzen“, motiviert Silke Bichel alle Mitarbeitenden, die kommenden Aufgaben mit Elan anzugehen.
„Ziel ist, die Kompetenzen unserer Fachleute besonders in der Pflege zu stärken. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess. Allerdings mit einer Besonderheit: Wir halten nicht starr an der ursprünglichen Zielsetzung fest. Wenn sich im Lauf der Umsetzung ergibt, dass wir unsere Ansätze korrigieren müssen, ist das nicht nur möglich, sondern im Rahmen einer lernenden Organisation sogar erwünscht“, so die Pflegedirektorin. Nach einem Jahr wird ein weiteres Zwischenaudit erfolgen. Am Ende dieser ersten Projektumsetzungen wird die anonyme Umfrage unter den Mitarbeitenden wiederholt, um den Erfolg zu überprüfen. „Nach diesem dreijährigen Prozess sind die ersten Projekte abgeschlossen und mit Kennzahlen belegbar. Wir werden auf unserem Weg mit Sicherheit weitere Optimierungsmöglichkeiten entdecken, sodass wir dann in die Umsetzung der nächsten Projekte gehen und laufend rezertifiziert werden können“, zeigt Silke Bichel den weiteren Weg auf.
Das Klinikum Nordfriesland ist die erste Einrichtung in Norddeutschland, die sich auf diesen erfolgversprechenden Weg gemacht hat. Silke Bichel bekräftigt: „Wir wollen nicht auf die Politik warten, sondern selbst aktiv werden, um als Arbeitgeber weiterhin attraktiv zu sein und gleichzeitig unsere Patient* innen bestmöglich zu versorgen.“