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Der Mensch hinter der Maske: 
Juliane Bendsen - Koordinatorin der Praxisanleiter im Klinikum Nordfriesland  

Abstand halten ist nicht immer möglich – gerade in der Patientenversorgung. Mit einer medizinischen Maske wird das Risiko verringert, sich oder andere mit dem Corona-Virus anzustecken. Aber: War das jetzt ein Lächeln? Oder wurde fragend, erwartungsvoll oder neugierig geschaut? Am Ende vielleicht sogar spöttisch gegrinst? Das weiß man derzeit nicht so genau… Hinter der Maske verschwindet die Hälfte des Mienenspiels. Oft ist man ja froh, wenn man sein Gegenüber überhaupt gleich erkennt. 

Im Gespräch mit Juliane Bendsen, Koordinatorin für die Praxisanleiter im Klinikum Nordfriesland, versuchen wir, hinter die Maske zu schauen und mehr über den Menschen zu erfahren, dessen Gesicht während der beruflichen Tätigkeit derzeit halb verdeckt ist.

Geboren wurde sie 1986 in Rostock, sie besuchte dort die Realschule und schloss diese 2002 erfolgreich ab.

Frau Bendsen, nach der Schule haben Sie eine erste Ausbildung zur Krankenpflegehelferin (KPH) absolviert. Warum der Einstieg in die Pflege?

Ich wollte mit, für und am Menschen arbeiten, etwas Lebendiges tun und ein Ergebnis sehen. Nachdem ich während eines Praktikums bei einem Raumausstatter bei 30 Grad Gardinen bügeln musste, wusste ich, das ist nicht so mein Ding. Auch die Arbeit in einem Büro ohne persönliche Kontakte ist nicht so sehr etwas für mich. Und als sich mir die Chance zur einjährigen KPH-Ausbildung bot, habe ich sie sofort genutzt. Und bis jetzt habe ich es auch nie bereut, in die Pflege eingestiegen zu sein.

Also lieber bei 30 Grad Patienten/innen pflegen, betten und lagern?

Während der KPH-Ausbildung im Altenheim habe ich in einem tollen Wohnbereich gearbeitet, hatte sehr nette Bewohner/innen, wurde von netten Kollegen/innen in die Pflege eingeführt und die Tätigkeit hat mir einfach gut gefallen. So gut, dass es für mich nur noch ein Ziel gab: Die dreijährige Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Wie haben Sie als bekennender „Ostseefreak“ 2004 den Weg von Rostock ins Klinikum Nordfriesland gefunden?

Damals gab es noch deutlich mehr Bewerbungen an den Krankenpflegeschulen als heute. Ich musste mehrere Kliniken anschreiben, unter anderem auch das Klinikum Nordfriesland. Überraschend wurde ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen und das verlief so aufgeschlossen und zugewandt, dass ich danach schon in dem festen Glauben war, die nehmen mich! Und so war es dann auch.

2007 wurde die Ausbildung erfolgreich beendet, wie ging es weiter? Wurde Ihr Optimismus bestätigt?

Voll und ganz! Ich hatte die Chance, meine ersten Erfahrungen als Gesundheits- und Krankenpflegerin im Inselkrankenhaus Föhr-Amrum zu machen. Für mich als junge Schwester der perfekte Ort, weil so viele verschiedene Fachrichtungen wie zum Beispiel Innere, Chirurgie und Intensivbetreuungen auf einer Station zu finden waren. Das Team hat mich toll empfangen und mir eine gute Einarbeitung ermöglicht.

Nach einem Jahr Inselklinik dann 2008 die Rückkehr ins „Mutterhaus“ Husum. Inselkoller oder der Wunsch nach pflegerischer Weiterentwicklung?

Der Grund war ganz einfach. Ich wollte meinen Lebensgefährten (heute Ehemann) häufiger sehen als nur jedes zweite oder dritte Wochenende. Das Jahr war beruflich ein sehr tolles Jahr, für unsere Beziehung auch ein guter Test, aber es reichte dann auch.

Zurück in Husum auf die Station 5 der Inneren Abteilung, war das die Wunschstation?

Mein Wunsch war eigentlich die Station 3, die Gynäkologie und Geburtshilfe. Ich hatte dort das letzte halbe Jahr der Ausbildung verbracht, dort mein praktisches Examen gemacht und somit eine ganz besondere Beziehung zu der Station. Leider war zu dem Zeitpunkt auf Station 3 keine Stelle frei und so wurde es die Station 5. Durch die Unterstützung der Leitungskräfte fühlte ich mich auf der Station 5 schnell wohl. 2011 absolvierte ich meine Zusatzausbildung zur Praxisanleiterin und ich blieb bis zur Geburt unserer ersten Tochter im Jahr 2014.

Wohin führte der Weg nach dem Erziehungsurlaub?

2015 bin in Teilzeit in den damals neu gegründeten „Pflegepool“ eingestiegen. Aus diesem Pool wurde immer fehlendes Pflegepersonal auf den Stationen ersetzt, was für mich nach dem Wiedereinstieg völlig in Ordnung war. Ich kam nun im Haus herum und hatte fachlich ein breites Tätigkeitsfeldfeld.

Das Jahr 2017 war für Sie ein ganz besonderes…

Genau, unser Sohn wurde geboren, ein wunderbares Ereignis. Aber mein Mann und mein Schwiegervater erkrankten beide in dem Jahr schwer. 2018 der berufliche Wiedereinstieg und nach Absprache mit der Pflegedienstleitung „stationäre Pflege“, Oliver Freese, die erneute Tätigkeit im „Pflegepool“. 2019 wurde dann die Stelle „Koordinatorin der Praxisanleiter“ ausgeschrieben. Ich habe mich beworben und habe seitdem meine Traumstelle in der Pflege gefunden.

Was genau verbirgt sich hinter dieser Tätigkeit?

Die Praxisanleitung ist ein wesentlicher Bestandteil der praktischen Ausbildung zur Pflegefachkraft und dient als Ergänzung zur theoretischen Ausbildung. Praxisanleiter gehen anhand des Ausbildungsplans vor und führen Auszubildende in der Pflege schrittweise an die einzelnen Tätigkeiten vor Ort heran. Sie unterstützen Schüler/innen also dabei, das theoretisch erworbene Fachwissen in die Praxis umzusetzen. Aufgrund der neuen generalistischenPflegeausbildung müssen sich Praxisanleiter an die Änderungen in der Pflegeausbildung anpassen und überlegen, welche Tätigkeiten sie an Pflegeschüler/innen übergeben dürfen. Ich bin zudem „Sprachrohr“ der Praxisanleiter und Bindeglied zwischen Schule und Praxis.

Aber nicht nur die Betreuung der Schüler / Auszubildenden fällt in mein Tätigkeitsfeld. Ich begrüße die neuen Kollegen oder Praktikanten in der Pflege. Sie verbringen die ersten Stunden mit mir und wir ermöglichen ihnen so einen guten Start im Klinikum.

Die Praxisanleitung ist ein wesentlicher Bestandteil der praktischen Ausbildung zur Pflegefachkraft und dient als Ergänzung zur theoretischen Ausbildung in Berufs- oder Hochschule. (Klinikum Nordfriesland)

Was macht den Reiz dieser Tätigkeit aus, in der Sie für die Koordination von 25 Praxisanleiter/innen verantwortlich sind?

Erst einmal macht es ungeheuren Spaß, mit den Kollegen/innen gemeinsam zu arbeiten. Bei Problemen gemeinsam nach Lösungen zu suchen oder einfach im Kontakt zu bleiben und zu hören, wie es auf Station läuft. Ich kann weiterhin Ideen entwickeln und einbringen, wie zum Beispiel ein neues Einarbeitungskonzept für neue Mitarbeiter/innen und Auszubildende.

Warum ist Ihre Arbeit für Sie selbst so wichtig?

Wenn der Azubi nach einer Anleitung sagt: „Danke das hat mir heute geholfen und richtig Spaß gemacht“ oder neue Kollegen sagen: „Cool, dass uns hier jemand begrüßt und dann auch noch mit Zeit und ein klein wenig Humor ins Unternehmen einführt“, weiß man doch, dass man den richtigen Weg eingeschlagen hat. Es macht mir einfach Spaß und ich komme gern und motiviert zur Arbeit.

Was schätzen Sie am Klinikum Nordfriesland?

Ich schätze die Möglichkeiten, die mir zur Verfügung gestellt werden. Ich kann kreative Vorschläge machen und finde Gehör dafür und ich fühle mich als Mitarbeiterin ernst genommen.

Als abschließende Frage, welchen Wunsch hätten Sie an Politik und Gesellschaft? 

Ich wünsche mir mehr Akzeptanz, mehr Anerkennung und mehr Wertschätzung für die Pflege. Allein das Klatschen am Fenster in Pandemiezeiten reicht dafür nicht.

Frau Bendsen, vielen Dank für das Gespräch.