Inselklinik Föhr-Amrum: sektorübergreifende Gedanken zur Zukunft

23.07.26

Die Inselklinik in Wyk auf Föhr gilt mit ihren 18 Betten als kleinstes Akutkrankenhaus in Deutschland. Rund 80 Mitarbeitende versorgen mit großem Einsatz und viel Empathie die stationären und ambulanten Patienten. „Sehr zur Zufriedenheit der Patienten – unsere Inselklinik erfreut sich eines guten Rufes“, kann Stephan W. Unger, Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland berichten. 

Die besondere Lage und die daraus resultierende Größe und Struktur der Klinik kollidiert dabei allerdings immer häufiger mit den sehr umfangreichen und unflexiblen Vorgaben der Gesundheitsbürokratie. „Nehmen wir als Bespiel die zentrale Notaufnahme“, erläutert Unger. „Die bundesweiten Vorgaben fordern für die Teilnahme an der Notfallversorgung eine Intensivstation mit sechs Betten.“ Das sei auf der kleinen Insel völlig illusorisch. Daher sei man bereits heute regelmäßig vom „Goodwill“ des Landes und der Kostenträger angewiesen. 

Das gelte auch für die finanzielle Situation. „Unsere Klinik bekommt einen Sicherstellungszuschlag, um wirtschaftlich überhaupt ansatzweise tragfähig zu sein“, erläutert der Geschäftsführer. Darüber hinaus stelle man im täglichen Betrieb immer wieder fest, dass man für die Insel kaum mehr Personal fände. „Die Mieten schrecken viele ab, da hilft leider auch kein langer Sandstrand“, so Unger. Wie überall werde demnächst die in Rente gehende „Boomer-Generation“ auch auf der Insel Lücken reißen. 

„Alles in Allem sind wir an dem Punkt angekommen, uns intensiv Gedanken über die Zukunft unseres kleinen Inselkrankenhauses zu machen. Immer mit dem Ziel vor Augen, es auf Dauer zu erhalten“, so Stephan. W. Unger. Letzter ausschlaggebender Aspekt sei die anstehende Neuausrichtung des Landeskrankenhausplans. In Folge der „Lauterbach-Klinikreform“ stehen die Leistungsspektren aller Krankenhäuser auf dem Prüfstand. Alle stationären Leistungen werden in 62 Leistungsgruppen zusammengefasst. Diese Gruppen definieren eine bestimmte personelle und strukturelle Ausstattung, um die Leistung qualitativ hochwertig erbringen zu dürfen. „Am Beispiel der ZNA habe ich angerissen, dass eine Erfüllung aller Vorgaben in unserer kleinen Klinik nicht darstellbar ist“, fasst Unger die Situation zusammen.

„Vor diesem Hintergrund befassen wir uns aktuell mit der Fragestellung, wie eine trag- und zukunftsfähige gute medizinische Versorgung auf der Insel aussehen könnte“, berichtet Unger. Die Begrifflichkeit dazu lautet „Sektorübergreifende Versorgung (SÜV)“. Das ist eine Kategorie für kleinere Kliniken, die in der Krankenhausreform vom Bundesgesetzgeber definiert wird.

„Ohne den Ergebnissen des Landeskrankenhausplans, der unter Umständen auch Ausnahmeregelungen enthalten könnte, vorgreifen zu wollen, stellen wir Überlegungen an, wie eine sektorübergreifende Versorgung auf der Insel aussehen könnte“, so Unger. „Immer mit dem Ziel vor Augen, Föhr und Amrum auch in Zukunft eine bestmögliche medizinische Versorgung bieten zu können!“

Dabei sei man, so Unger, bei der Gestaltung dieser sektorenübergreifenden Versorgung auf Partner angewiesen: Auf die niedergelassenen Ärzte auf den Inseln und damit auf die Kassenärztliche Vereinigung. Ebenso muss der Rettungsdienst eingebunden werden. Die Herausforderung liegt in der 24/7 Notfallversorgung – auch bei Nebel oder Sturm. Diese erfordere eine enge und interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Klinik und den niedergelassenen Ärzten auf der Insel. Die Klinik selbst würde weiterhin über stationäre Betten verfügen. 

„Die Überlegungen, die wir zusammengetragen haben, werden wir in den kommenden Wochen mit unseren Partnern diskutieren und so unser Erstkonzept nach und nach weiterentwickeln“, wirft Unger einen Blick in die Zukunft.