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Klinikum Nordfriesland

Das Klinikum Nordfriesland erlebt derzeit eine ganz besondere Zeit – weit ab vom Klinikalltag der letzten Jahre. „Obwohl die eigentliche Herausforderung im Norden noch gar nicht angekommen ist, durchleben wir seit mehreren Wochen in unseren Kliniken eine ganz besondere, vielschichtige Situation“, fasst Stephan W. Unger, Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland, die aktuellen Entwicklungen im Klinikum zusammen. „Vieles haben wir so nicht vorausgesehen – im positivem wie im negativen Sinn.“

Dank für Unterstützung

Positiv überrascht ist das Klinikum vom Zusammenhalt und von dem Zuspruch, den es in vielen Facetten erlebt:

Zum einen wurden die – weiterhin geltenden – Besuchsregelungen und die Absagen von medizinisch nicht zwingend notwendigen Behandlungen mit großem Verständnis akzeptiert und befolgt.

Das Klinikum erfährt zudem viele Unterstützungsangebote von Privatpersonen und Firmen der Region. „Das beginnt bei lobenden Worten und Aufmunterungen über Kuchenspenden und viele Süßigkeiten zu Ostern, die von Einzelpersonen, vom Förderverein Niebüll und von Firmen, zum Beispiel der Adler-Reederei, für die Mitarbeiter abgegeben wurden.

Darüber hinaus bekommt das Klinikum auch Spenden für den Schutz von Personal und Patienten, wie zum Beispiel Desinfektionsmittelspenden vom Einzelkanister bis hin zu 1000 Litern von der Firma Danisco in Niebüll. Firmen modifizieren in kürzester Zeit ihre Warenangebote und stellen Visiere und andere Schutzeinrichtungen für die Mitarbeiter her, so wie die Firma Hansen aus Haselund – oder sie liefern anstelle von Likören Grundstoffe für die Desinfektionsmittelherstellung.

„Wir sind wirklich beeindruckt, wie schnell und flexibel wir Unterstützung erfahren“, so Stephan W. Unger. Selbst die Bundesgesundheitspolitik - sonst eher kein Unterstützer der Kliniken - hat in Windeseile ein weitgehend tragfähiges Gesetz zur Unterstützung der Krankenhäuser geschaffen. Unger ist überzeugt davon, dass „ohne dieses Notgesetz bundesweit viele Hospitäler die Corona-Krise wirtschaftlich nicht überleben würden.“

Professionelle und engagierte Mitarbeit

Für Unger ist sehr positiv, wie professionell, schnell, engagiert und umsichtig „seine“ Mitarbeiter in den Kliniken die Umstellung auf die neue Situation bewerkstelligt hätten. „Natürlich sind Infektionen, Isolierungen und größere Ausbruchsgeschehen für die Mitarbeiter nichts Neues – aber eine Pandemie mit den derzeitigen Auswirkungen hat noch niemand von uns erlebt“, so der Geschäftsführer.

In diesem Zusammenhang berichtet der Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland von einer anderen Facette der Krise: „Unsere Kliniken sind nur sehr schwach belegt, es ist zum Teil befremdlich, durch die leeren Gänge zu gehen“, so Unger. Viele der Klinik-Mitarbeiter sind im Überstundenfrei oder sogar im Urlaub - darauf wartend, dass der Höhepunkt der Infektionswelle im Norden ankommt.

Patienten sollten keine Angst haben!

Sorgen bereiten Stephan W. Unger die leeren Notfallaufnahmen: „Unser Eindruck ist derzeit, dass viele Bürger aus Angst vor einer Infektion gravierende Symptome zu sehr auf die leichte Schulter nehmen und zuhause bleiben.“

Er weist darauf hin, dass die Krankenhäuser, die Arztpraxen und Notfallaufnahmen natürlich für Akuterkrankungen und Unfälle weiter offen stehen. „Das Infektionsrisiko ist aktuell nicht wesentlich höher als in den Vor-Corona-Zeiten“, erläutert er. „Wägen Sie die Risiken gut ab – warten Sie mit gravierenden gesundheitlichen Problemen entweder gar nicht oder jedenfalls nicht zu lange – gehen Sie zum Arzt oder auch ins Krankenhaus“, rät der Geschäftsführer.

Das Klinikum Nordfriesland gehört einem Versorgungcluster an der Westküste an. Covid19 Patienten werden nicht in den Kliniken Husum, Niebüll und Wyk versorgt. Diese werden in Schwerpunktkliniken in Heide und Flensburg gebracht. „Auf Wunsch des Landes bleiben wir Covid19-frei, um für die Versorgung aller nicht mit Covid19 infizierten Patienten zur Verfügung zu stehen“, erläutert der Geschäftsführer.

Schwangere können mit Partner kommen

Ebenso macht er darauf aufmerksam, dass sich Schwangere keine Sorgen machen müssen. Die Väter dürfen weiterhin mit in den Kreißsaal. Nur bei etwaigen Voruntersuchungen müssen die Väter außerhalb der Klinik warten – werden aber natürlich „wenn es los gehen sollte“ in den Kreißsaal gerufen.

Für die Schwangeren von den Inseln stehen Appartements bereit. Der Kreis Nordfriesland kümmert sich um die Betreuung der Geschwisterkinder. Der Kreis hat für die Schwangeren von der Insel eine Hotline eingerichtet (Tel. 04841 67-305, Montag, Mittwoch, Freitag von 8-15 Uhr).

Ernüchterung über die Versorgungslage

„Negativ überrascht bin ich davon, wie schnell die Versorgungsstrukturen mit relevanten medizinisch-pflegerischen Einmalgütern ins Wanken geraten ist“, erzählt Stephan Unger. „Wir sind zwar noch gut bevorratet, allerdings wird es immer schwieriger und vor allem immer teurer, zum Beispiel Masken, Einmal-Kittel und Desinfektionsmittel zu erhalten“. Zum Teil kommen nur halbvolle Pakete an. Vorauszahlungen sind an der Tagesordnung und ob alle gelieferten Schutzartikel wirklich den Normen und Standards entsprechen, muss immer intensiver hinterfragt werden.

„Dies ist eine Aufgabe für die Gesundheitspolitik für die „Nach-Corona Zeit“ Maßnahmen zu ergreifen, die dieses System stabiler aufstellen“, fordert Unger. „Vielleicht sollte man system-relevante Produktlinien nicht in vollem Umfang ins Ausland verlagern“, regt er an.

Eine Bitte zum Abschluss

Zum Abschluss hat Stephan W. Unger noch eine Bitte: „Wir freuen uns riesig über die Unterstützung, die Hilfsangebote und Sachspenden. Vielleicht lässt sich daraus zum Wohle der Kliniken und der Mitarbeiter ein längerfristiges Engagement in einem der drei Fördervereine der Kliniken entwickeln – dass würde unseren Rückhalt in der Bevölkerung auf Dauer stärken.“

Förderverein Klinik Husum, Tel. 04841 4377
Förderverein Klinik Niebüll, Tel. 04661 3390
Förderverein Inselklinik Föhr-Amrum, Tel. 04682 657

Ein Beitrittsformular ist unter www.klinikum-nf.de hinterlegt.

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