Behandlung von Herz-Rhythmusstörungen

Anwendung modernster Ablations-Techniken

 

 
Oberarzt Dr. Tobias Espersen und Chefarzt Dr. Christian Nottebrock (vorne v.l.) arbeiten sehr eng mit den Professoren Christian Meyer und Stephan Willems (hinten v.l.) des Universitärem Herzzentrum Hamburg, dem langjährigen Kooperationspartner des Klinikums Nordfriesland, zusammen.

Herz-Rhythmusstörungen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Von leichten Ausprägungen, die die Betroffenen oft gar nicht spüren, über mit Medikamente gut behandelbare Verlaufsformen bis hin zu schweren Arrhythmien, die eine umfangreiche Diagnostik und dann ggf. auch einen Eingriff am Herzen erforderlich machen.

Wie entstehen Herz-Rhythmusstörungen?

Die Pumparbeit des Herzens wird kontinuierlich durch schwache elektrische Impulse gesteuert, die gestört sein können und dadurch Arrhythmien auslösen. In schlimmen Fällen werden diese chronisch und können sogar – wenn sie nicht behandelt werden - bis zum Tod führen.

Die Ursache für diese Unregelmäßigkeiten im Herzschlag ist meistens sehr gut aus einem EKG ablesbar. Der Grund für die Störung liegt in der Regel in einem Schaden in der „elektrischen Isolierung der Herzens“. Wie bei elektrischen Kabeln ist das sogenannte „Reizleitungssystem“ des Herzens voneinander isoliert. Gibt es einen kleinen Defekt in diesen Bahnen oder kommt ein schwacher elektrischer „Zusatzimpuls“ zu der regelhaften Herzschlagsteuerung hinzu, kann so die Rhythmusstörung ausgelöst werden.

Sind diese Störungen von gravierender Art, müssen nach eingehender Untersuchung zum Beispiel Herzschrittmacher oder Defibrillatoren implantiert werden, um lebensbedrohliche Situationen abzuwenden.

Was ist ein „Vorhofflimmern“?

Eine der am häufigsten auftretenden Herzrhythmusstörungen ist das so genannte „Vorhofflimmern“. Dies wird häufig von den Betroffenen zunächst gar nicht bemerkt und ist teilweise ein Zufallsbefund im EKG. Es kann aber in vielen Fällen unbehandelt zu einer ausgeprägten Herzschwäche, Ohnmachtszuständen oder sogar zu schweren Schlaganfällen führen. Beim niedergelassenen Arzt oder im Krankenhaus kann diese Rhythmusstörung mit Medikamenten behandelt werden.

Nicht selten muss aber eine „elektrische Kardioversion“ durchgeführt werden, das heißt, dass in einem nicht lebensbedrohlichen Zustand ein gezielter Elektroschock das Vorhofflimmern beendet und das Herz wieder in den normalen Rhythmus führt.

Was sind Ablationen bei „Vorhofflimmern“?

In einigen Fällen werden aber auch andere Maßnahmen, so genannte „kathetergestützte Ablationen“, d.h. punktuelle Verödungen im Herzgewebe erforderlich.

Ein spezielles Ablations-Verfahren betrifft die Mündungen der vier „Lungenvenen“ im Vorhof des Herzens. Durch diese besonderen Venen fließt sauerstoffreiches Blut in das Herz und wird von dort aus weitergepumpt. Diese Mündungsstellen neigen zu „Isolationsschäden“

Mit einem dünnen Katheter wird ein aufblasbarer Ballon in die Verbindung zwischen Vene und Vorhof geführt. Dieser Ballon wird mit -40° Celsius kaltem Lachgas gefüllt. Mit Hilfe dieses bündig sitzenden Ballons erfolgt die erforderliche Verödung durch Kälte – und zwar am gesamten ringförmigen Übergang gleichzeitig. Diese „Kryo-Ablation“, von der die Patienten nichts spüren, dauert insgesamt ca. 2 Stunden. Sie wird in einer Sitzung an allen vier Lungenvenen durchgeführt. Die Wahrscheinlichkeit, dass damit die Probleme auf einem Schlag beseitigt werden können, liegt bei 80-90%.

Was ist ein „Vorhofflattern“?

Ein Vorhofflattern kommt bei ein bis zwei Prozent der Bevölkerung vor und gehört zu den Rhythmusstörungen mit einem schnellen Vorhof-Puls von 220-270 Schlägen pro Minute.

Patienten mit Vorhofflattern klagen in der Regel über Herzrasen, Engegefühle in der Brust (Angina pectoris) sowie eine verminderte Leistungsfähigkeit. Bei einer anhaltenden Rhythmusstörung staut sich Wasser in die Lunge zurück, so dass zusätzlich Luftnot und andere noch schwerwiegendere Herzrhythmusstörungen hinzukommen können.

CTI Ablation bei Vorhofflattern

Zweck der neuen elektrophysiologischen Untersuchung „CTI-Ablation“ (Cavotrikuspider Isthmus) ist es, die Art und den Mechanismus der Herzrhythmusstörung über eine besondere Herzkatheter-Untersuchung genau festzustellen. Dazu ist es notwendig, die Rhythmusstörung mit Hilfe nicht spürbarer elektrischer Impulse von verschiedenen Stellen des Herzens auszulösen. Nach Sicherung des genauen Mechanismus und des Ortes der Störung im Herzen wird das verantwortliche Herzmuskelgewebe durch Hochfrequenz-Stromimpulse verödet, so dass die auslösende Fehl-Erregung durchbrochen und somit die Rhythmusstörung beseitigt wird. Die Erfolgsaussicht dieses neuen Verfahrens („Isthmus-Ablation“) beträgt über 98% bei einem Wiederholungsrisiko von 5-10%.

Zusammenarbeit mit dem UHZ Hamburg

Alle Verfahren der so genannten „Elektrophysiologie“ werden in der Klinik Husum in enger Kooperation mit dem Universitären Herzzentrum (UHZ) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf eingeführt. Das UHZ ist seit vielen Jahren ein enger Partner des Klinikums Nordfriesland im Bereich der Kardiologie.