Gefäßchirurgie Klinik Husum

Vom Shunt bis zur Gefäßprothese

Die Gefäßchirurgie in der Klinik Husum hat eine lange Tradition. Das Patientenaufkommen in der Klinik ist stetig gewachsen. Gemeinsam mit der Facharztpraxis von Dr. Christian Klaproth wird die erforderlich Diagnostik durchgeführt und – individuell auf den Patienten abgestimmt – die notwendige (operative) Therapie eingeleitet. In der Therapie spielen die „endovaskulären Verfahren“ eine immer größere Rolle. Durch sie werden die Gefäße „von innen repariert“. Dies kann sowohl im Operationssaal als auch am Angiographie-Arbeitsplatz in der interventionellen Radiologie erfolgen.

 

Unser Leistungsspektrum

Gefäß-Diagnostik

Würden alle Blutgefäße des menschlichen Körpers, die ihn mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, aneinander gereiht, ergäbe sich eine Strecke von rund 150.000 Kilometern! Die Gefäße unterteilen sich in die pulsierenden Arterien und in die Venen, in denen nur ein langsamer Blutfluss herrscht.

Die sogenannte „Duplex-Sonographie“ kann beide Gefäßsysteme (Arterien und Venen) sichtbar machen und gleichzeitig die Flussbewegung des Blutes in diesen „Leitungen“ darstellen. Die Duplex-Sonographie liefert die Kernaussagen bei einer gefäßchirurgischen Untersuchung.

Wenn notwendig, werden zusätzliche Untersuchungen durchgeführt, z.B.:

  • eine digitale Subtraktionsangiographie,
  • eine Computertomographie mit Kontrastmitteln
  • eine CT-Angiographie oder
  • eine MR-Angiographie.

Chronische Durchblutungsstörung der Beine ("Schaufensterkrankheit")

Bei Durchblutungsstörungen der Beine – der so genannten „Schaufensterkrankheit“ oder früher auch als „Raucherbein“ bezeichnet – bestehen beim Gehen Schmerzen im betroffenen Bein. Schreitet die Erkrankung und damit der Arterienverschluss weiter fort, treten auch Schmerzen in Ruhe auf oder es entstehen nicht heilende Wunden am Unterschenkel oder Fuß.

Die erforderliche Gefäßdiagnostik ermittelt die genaue Höhe des Arterienverschlusses (Becken oder Oberschenkel/Unterschenkel). Folgende Behandlungsmöglichkeiten gibt es:

  • Erweiterung mittels Ballon oder Stent von der Leistenarterie aus in lokaler Betäubung(endovaskulär),
  • Operation der Leistenarterie mit Ausschälung und Patch,
  • Bypass-Anlage von der Leistenarterie auf den Bereich des Knies oder den Unterschenkel. Wenn möglich, wird versucht, körpereigene Venen als Bypass zu verwenden,
  • Bei Verschlüssen der Bauchschlagader (Aorta) oder der Beckenarterien, die nicht endovaskulär aufgedehnt werden können, werden Kunststoff-Prothesen als Bypass implantiert,
  • Medikamentöse Therapie (sog. Prostavasin-Therapie) schwerer Durchblutungsstörungen über einen zentralen Venenkatheter über einen Zeitraum von in der Regel 14 Tagen,
  • CT-gesteuerte Blockade des Grenzstranges (genannt Sympatikolyse) zur Förderung der Weitstellung der Blutgefäße
  • Nach Wiederherstellung der Durchblutung ist manchmal, bei sehr fortgeschrittenem Stadium der Erkrankung eine Amputation im Bereich des Fußes (Zehe, Vorfuß) oder selten eine Amputation des Beines notwendig.

Akute Arterienverschlüsse der Arme und Beine (Thromben)

Ein Blutgerinnsel - sogenannte „Thromben“, die Arterien komplett verschließen, machen sich durch plötzlich auftretende Schmerzen in dem betroffenen Arm oder Bein bemerkbar. Dies ist ein bedrohlicher Zustand, es droht der Verlust des betroffenen Armes oder Beines. Daher muss eine sofortige Notfalltherapie (Operation oder endovaskuläre medikamentöse Lyse-Therapie) zu jeder Tages- und Nachtzeit eingeleitet werden.

Aneurysmen (Aussackungen) der Hauptschlagader (Aorta) und der Beckenarterien

Führt die Arteriosklerose nicht zu einer Verengung der Arterien, sondern zu einer Erweiterung, dann wird von einem Aneurysma gesprochen, das häufig im Bereich der Bauchschlagader als sogenanntes Aorten-Aneurysma auftritt. Ab einer bestimmten Größe oder anatomischen Form steigt das Risiko für einen Riss (Ruptur) mit tödlicher Blutung.
Regelmäßige ambulante Kontrollen in unserer Gefäßsprechstunde zeigen mit der farbkodierten Duplex-Sonographie die Größe des Aneurysmas. Sollte die Erkrankung weiter fortschreiten und kritische Werte erreichen, wird mit dem Patienten eine geeignete Operations-Methode besprochen:

  • Offener Ersatz des betroffenen Schlagader-Segments durch Kunststoff-Prothesen (Y-Prothese oder Rohrprothese),
  • Endovaskuläre Ausschaltung des betroffenen Schlagader-Segments durch eine Kunststoffprothese mit Stent-Verstärkung von den Leistenarterien aus, ohne Eröffnung des Bauchraums.

Durchblutungsstörung der Viszeral-Arterien (Darmdurchblutung)

Drei große Arterienabgänge aus der Bauchschlagader sorgen für die Darmdurchblutung. Wenn diese verengt oder verschlossen sind, kann es zu einer Mangelversorgung des Darms mit Blut kommen. Im akuten Stadium macht sich das mit plötzlich einsetzenden starken Bauchschmerzen bemerkbar. Dann ist eine sofortige Notfalloperation mit einer Thrombektomie oder Ausschälplastik der Darmarterie notwendig. In seltenen Fällen wird ein Bypass erforderlich.

Liegt ein chronisches Stadium vor, treten starke Bauschmerzen meist nach dem Essen auf, hier kann eine Ballon-Aufdehnung oder eine offene Operation des auslösenden Arterienabganges sinnvoll sein.

Verengung der Halsschlagader (Karotis-Stenose)

Gefährlich wird die Arteriosklerose auch an der Halsschlagader (Karotis), da diese bei einer zu starken Verengung einen Schlaganfall auslösen kann. Liegt eine Karotis-Verengung vor, die noch keine kritischen Werte erreicht hat, dann ist lediglich eine regelmäßige ambulante Kontrolle mittels Duplex-Sonographie in unserer Gefäßsprechstunde notwendig.

Ab einem bestimmten Grad der Verengung ist jedoch eine vorbeugende Behandlung sinnvoll, um einem Schlaganfall vorzubeugen. Auch wenn bereits ein Schlaganfall aufgetreten ist, der auf eine Verengung einer Halsschlagader zurückzuführen ist, sollte diese Enge durch einen Eingriff beseitigt werden, um einem neuerlichem Schlaganfall vorzubeugen. Auch bei der Karotis-Stenose stehen offene Operationen und endovaskuläre Verfahren zur Verfügung:

  • Ausschälplastik (Endarterie-Ektomie und Patchplastik),
  • Ausstülpungsplastik (Eversions-Endarteriektomie),
  • Endovaskuläre Stent-Implantation von der Leiste aus.

Schaffung von Dialyse-Zugängen ("Dialyse-Shunts")

Die Blutwäsche erfordert ein hohes Blutvolumen in oberflächlichen mit Nadeln gut erreichbaren Gefäßen. In einer gefäßchirurgischen Operation wird deshalb eine Arterie in eine kleine oberflächliche Vene eingenäht, so dass diese einen hohen Blutfluss erhält. Diese Vene nennt man dann Shunt-Vene. Hierzu gibt es verschiedene Verfahren - je nach Beschaffenheit der Armvenen:

  • Einfache Verbindung zwischen Vene und Arterie (Arteriovenöser Shunt) in lokaler Betäubung,
  • Verbindungen zwischen Arterie und Vene mit Kunststoff-Prothese (Prothesen-Shunt) in Narkose,
  • Dialysekatheter (Demerskatheter), die in eine große Vene am Hals eingesetzt werden, sind nur eine vorrübergehende Lösung in Notfallsituationen. Als Dauerlösung sind diese Katheter nur in Ausnahmefällen im Einsatz.

Krampfadern

Bei Erkrankungen der Venen sind Krampfadern fast schon als „Volkskrankheit“ der häufigste Befund. Hier liefert die Untersuchung in der Gefäßsprechstunde die komplette Operationsplanung, es ist dann nur ein weiterer Termin für die eigentliche Operation – meist in ambulanter Weise – notwendig.

Thrombosen und oberflächliche Venen-Entzündungen (Thrombophlebitis)

Im tiefen Venensystem kann bei entsprechendem klinischem Verdacht mit der Duplex-Sonographie eine tiefe Venenthrombose ausgeschlossen oder bestätigt werden. Die  Behandlung mit Medikamenten und Kompression wird sofort nach Diagnosestellung eingeleitet. Bei Blutgerinnseln in den oberflächlicheren Krampfadern ist manchmal auch eine Operation notwendig: Dies wird immer dann erforderlich, wenn das Übergreifen der Thrombose auf das tiefe Venensystem droht.

Pseudo-Aneurysma (Aneurysma spurium) z.B. nach Herzkatheter

Aussackungen der Leistenarterie, die manchmal nach einer arteriellen Katheter-Untersuchung entstehen können, können durch eine ultraschallgesteuerte Injektion eines Blutgerinnungsfaktors sofort wieder verschlossen werden. Sollte der Befund ungeeignet und der begleitende Bluterguss sehr groß sein, wird manchmal auch eine Operation mit Naht der Arterie und Ausräumung des Blutergusses notwendig.

Fachinformationen zur Ausbildung zum Facharzt für Gefäßchirurgie

Die Gefäßchirurgie besitzt die volle Weiterbildungsermächtigung zum Facharzt für Gefäßchirurgie. Es kann sowohl der zweijährige Common Trunc als auch die vierjährige Weiterbildung zum Gefäßchirurgen absolviert werden.

  • Common Trunc Rotationen (6 Monate Viszeralchirurgie, 6 Monate Unfallchirurgie, 6 Monate Gefäßchirurgie und 6 Monate Intensivstation).
  • Weiterbildung zum Facharzt Gefäßchirurgie entsprechend dem spezifischen Weiterbildungs-Curriculum der Gefäßchirurgischen Abteilung in der Klinik Husum.