Zur Geschichte der Klinik Husum

Die Wurzeln des Husumer Krankenhauses reichen bis in das Jahr 1878 zurück. Der damalige medizinische Fortschritt erforderte vor allem aus hygienischen Gründen eine Veränderung der bestehenden Situation, in der Operationen bspw. bei den Erkrankten zu Hause durchgeführt wurden und infektiöse Patienten auf einer kleinen Krankenstation im sog. „Siechenhaus“ in der heutigen Nordbahnhofstraße betreut wurden. Initiator für den Bau eines neuen Krankenhauses war der Postdirektor Picker, dem es in 1878 gelang, einen Krankenhausverein zu gründen.

In den folgenden vier Jahren trug dieser Verein – unterstützt durch den Landrat Graf von Reventlow und den Husumer Bürgermeister Emanuel Gurlitt – soviel Geld zusammen, dass im Jahre 1882 der erste Spatenstich für einen Krankenhausneubau in der Parkstraße gegenüber vom „Stadtpark“ erfolgte. Am 16. November 1883 wurde dann das erste – 8 Betten bietende – Krankenhaus eröffnet. Allerdings erwies sich diese kleine Klinik bereits zur Jahrhundertwende als viel zu klein. 1902 wurde bereits ein Erweiterungsbau in Betrieb genommen, so dass das Krankenhaus jetzt 21 Betten umfasste.

lKlinik Husum Eingang

1906 bis 1945

KlinikHusumIm Jahre 1906 wurden – inzwischen in 33 Betten – 372 Patienten behandelt. Die Hälfte von ihnen waren Kassenpatienten. In den folgenden Jahren befand sich die Klinik auf stetem „Wachstumskurs“. Eine erste Röntgenanlage wurde beschafft, die Bettenzahl wuchs. Der 1. Weltkrieg führte zu einer deutlichen Erhöhung der Bettenzahl und der betreuten Patienten. 1924 wurden in dem kleinen Krankenhaus 1.206 Patienten operiert.

Da die damalige Klinik bereits wieder aus allen Nähten platzte, wurde die nächste Erweiterung diskutiert, die allerdings so kostspielig werden sollte, dass der Krankenhausverein diese bauliche Maßnahme nicht mehr alleine bewältigen konnte. Am 05. Mai 1926 fiel die Entscheidung, dass die Stadt Husum – mit finanzieller Unterstützung und Absicherung durch den Kreis – das Vereinskrankenhaus übernehmen und als städtisches Krankenhaus führen sollte.

Mit großem Elan ging die Stadt an den Aus- und Umbau des Krankenhauses heran. Als am 3. März 1929 der neue Operationsraum, ein Infektionshaus (das heute noch bestehende Haus 4 (ehem. das sog. „Gartenhaus“) und weitere zahlreiche Anbauten in Betrieb gingen, waren sowohl die geplante Bauzeit wie auch die geplanten Baukosten deutlich überschritten.

Klinik HusumDie Klinik verfügte dann bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges über 99 Betten. Im Jahre 1939 wurden die Diakonissen der Diakonissenanstalt Flensburg, die 56 Jahre lang die Kranken im Husumer Krankenhaus versorgt hatten, durch die sog. „Braunen Schwestern“ der NS-Schwesternschaft abgelöst. Im 2. Weltkrieg stieg die Bettenzahl auf 400 an, Baracken mussten gebaut werden, die Theodor-Storm-Schule wurde ebenfalls zum Krankenhaus wie auch das „Altersheim“ in der Brinckmannstraße. 1942 brach zudem eine schwere Typhus-Epidemie aus. Erstmals in der Geschichte der Klinik musste aufgrund der großen Bettenzahl ein hauptamtlicher Chefarzt angestellt werden: Dr. Siede, Facharzt für Innere Medizin, übernahm die Leitung der Klinik. Bisher hatten die niedergelassenen Ärzte der Region die Patienten in der Klinik mitversorgt.

1945 bis 1977

Nach Ende des Krieges kamen bis 1950 die Diakonissen zurück in das Haus. Zwischen 1950 und 1977 übernahmen Pflegekräfte des Ev. Diakonievereins Berlin-Zehlendorf die Pflege der Patienten. 1977 wurde diese Tätigkeit dann durch „freie Schwestern“ übernommen. 1947 wurden 2.061 stationäre wie auch 1.002 ambulante Operationen geleistet. 327 Kinder erblickten im Husumer Krankenhaus das Licht der Welt. 1950-1952 wurde die Klinik selbst nochmals baulich umfassend erweitert.

Neben dem Städtischen Krankenhaus gab es seit 1946 – aufgrund der durch die zahlreichen Flüchtlinge stark gewachsenen Einwohnerzahl der Stadt und des Kreises – in Husum zudem ein Kreiskrankenhaus, das aus dem Lazarett Hockensbüll entstanden war. Im Februar 1955 wurde vom Kreis Husum und der Stadt Husum ein Zweckverband zum Betrieb eines „Zweckverbandskrankenhauses“ gegründet. Die Kreisklinik in Hockensbüll wurde geschlossen. Der Betrieb am Standort der ehemals städtischen Klinik wurde weitergeführt und ausgebaut. So wurde am 11. November 1957 ein vierstöckiger Krankenhausneubau eingeweiht. Bei diesem Gebäude handelt es sich um den heute noch in Betrieb stehenden Westflügel (den sog. 56er-Flügel) der Klinik Husum, der in den Jahren 1999/2000 grundlegend modernisiert wurde. Bereits 1961 sollte ein zweiter Bauabschnitt folgen, der nach einer Vielzahl von Entwürfen und Gutachten, langjähriger Diskussion und dann nach vierjähriger Bauzeit erst 1976 verwirklicht wurde und den heutigen Ostflügel (sog. 76er-Flügel) und weite Teile des Funktionstraktes hervorbrachte.

„Zwischendurch“ wurde noch der Neubau eines Schwesternwohnheimes an der Adolf-Brütt-Straße fertig gestellt. Im Rahmen der Zusammenlegung der Kreise Südtondern, Husum und Eiderstedt zum Landkreis Nordfriesland wurde zum 31.12.1972 auch der Krankenhauszweckverband aufgelöst und der Kreis Nordfriesland wurde alleiniger Träger der Klinik in Husum. Als Zeichen künftiger Gemeinsamkeit entstand der Bau einer neuen Heizzentrale, die das damals neue Kreishaus und das Krankenhaus bis heute gemeinsam versorgt.

1978 bis heute

Klinik Husum

Bis zum Jahre 2004/2005 folgten zahlreiche Sanierungen, kleinere Umbauten und Umwidmungen von Gebäudeteilen, so z.B. 1978 die Einrichtung der Intensivpflegeeinheit und 1983 ein Küchenanbau. In all den Jahren wurde immer wieder in die medizin-technische Ausstattung des Hauses investiert, um die Klinik auf dem neuesten Stand der Technik zu halten: dem „Ur-Wunsch“ der Klinik, der ja bereits 1878 Auslöser für die Gründung des Husumer Krankenhauses war.

Seit 2004 hat die Klinik Husum dann einen Aus- und Umbau erlebt, wie noch nie in ihrer 125-jährigen Geschichte: neue Gebäudeflügel sind entstanden (Funktionstrakt mit Ambulanz und Endoskopie, ein neuer Betteflügel), neue Großgeräte wurde beschafft und untergebracht (Linksherzkathetermessplatz, Angiographie-Platz, ein digitales Mammographie-Gerät, ein MRT neuester Generation), übergangsweise wurden Raummodule aufgestellt, eine neue Küche gebaut und medizinische Leistungszentren gegründet: vom HERZZENTRUM NORDsee über ein interdisziplinäres Gefäßzentrum bis hin zum Therapiezentrum Nord. Und der Name hat sich geändert vom Kreiskrankenhaus Husum zum Klinikum Nordfriesland gGmbH – Klinik Husum.

Bewegte Zeiten hat das Husumer Krankenhaus durchlaufen, geprägt von Trägerwechseln, von vielen Baumaßnahmen, von Termin- und Kostenüberschreitungen und vielfach auch von wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Bereits im Vertrag zwischen Stadt und Kreis vom 13. August 1926 wurde festgelegt: „Er [der Kreis] trägt die Hälfte des sich aus dem Krankenhausbetrieb am Schluss eines jeden Rechnungsjahres ergebenden Fehlbetrages“. Auch die Bürokratie schlug bereits früh zu: 1907 wurde die Klinik auf Veranlassung des „Ministers der geistlichen Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten“ überprüft und u.a. festgestellt, dass die Dampfheizung gegen § 11 der Pol. Verordnung verstößt, „weil sich an den Heizkörpern überhitzte Luft bildet“.

Heute – 125 Jahre nach Gründung – werden in der Husumer Klinik in 252 Betten von ca. 450 Beschäftigten ca. 11.500 stationäre und 15.000 ambulante Patienten pro Jahr behandelt und zwischen 700 und 750 Kinder in jedem Jahr in der Klinik geboren. Hier zeigt sich eine vielfache Leistung dessen, was in früheren Jahren dokumentiert ist.

Was über die Jahrzehnte geblieben ist, ist die Frage nach der Wirtschaftlichkeit, die Frage nach einer zeitgemäßen Trägerschaft und die regelmäßigen Überprüfungen der Betriebssicherheit.

 

   

Klinikum Nordfriesland
Klinik Husum